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Feuchter Bunker in Blankensee
Am 6.3.2023 hatte ich Gelegenheit, im Rahmen einer Fledermauszählung nach Höhlenspinnen in Lübeck zu schauen. Leider waren es an diesem Tag nur 3 besuchte Bunker, von denen nur in zweien überhaupt Spinnen feststellbar waren.

Von vier möglicherweise auffindbaren Arten habe ich in zwei Bunkern immerhin die Hälfte gefunden

  1. Gefleckte Höhlenspinne Nesticus cellulanus (gefunden!)
  2. Kleine Höhlenspinne Metellina merianae (gefunden!)
  3. Große Höhlenspinne Meta menardi (nicht gefunden)
  4. Kellerfinsterspinne Amaurobius ferox (nicht gefunden)

Allen diesen Arten sind spezielle Habitatpräferenzen gemeinsam. Sie leben in Höhlen, Kanalisationsschächten, Bunkern und vereinzelt auch in unbeleuchteten Kellern. Sie fallen bei Fallenfängen in üblicherweise beprobten Habitaten somit meist nicht an. Metellina merianae kommt gelegentlich auch in Wäldern vor und Amaurobius ferox in Gewächshäusern. Kurzum, es ist zu vermuten, dass die knappe Datenlange zu diesen Arten nicht unbedingt die ihre tatsächlichen Vorkommen widerspiegelt. Die Untersuchung solcher Sonderstandorte ist somit sehr wichtig. In diesen finden sich übrigens neben unzähligen Mücken auch Falter wie das Tagpfauenauge und Nachtfalter.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Drei untersuchten Bunker reichen natürlich nicht für eine statistische Bewertung. Weitere Untersuchungen müssen folgen. Möglichst landesweit. Zu beachten ist BNatSchG § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen, Abs. 6: „Es ist verboten, Höhlen, Stollen, Erdkeller oder ähnliche Räume, die als Winterquartier von Fledermäusen dienen, in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 31. März aufzusuchen […]”. Weitere Untersuchungen solcher Habitate müssen im erlaubten Zeitraum folgen.

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Weil viele Menschen die Vorstellung haben, Spinnen gäbe es hauptsächlich nur im Altweibersommer und im Winter gäbe es keine, möchte ich hier mal ein Gegenbeispiel geben.

Nächstoffreiches Nassgrünland in den Schwartauwiesen – im Hintergrund LUV-Center
Ich war am 19.11.2022 in den Schwartauwiesen. Es war nass, kalt und matschig, die Gräben waren zugefroren. Spinnen habe ich mit dem Laubsauger erfasst. Die Tiere halten sich überwiegend in der bodennahen Vegetation auf.

ArtnameFamiliemalefemalejuv.
Bathyphantes approximatusBaldachinspinne55-
Kaestneria pullataBaldachinspinne11-
Lophomma punctatumBaldachinspinne1
Neriene clathrataBaldachinspinne11-
Tallusia expertaBaldachinspinne24-
Taranucnus setosusBaldachinspinne1
Tenuiphantes tenuisBaldachinspinne3
Walckenaeria unicornisBaldachinspinne1
Episinus angulatusKugelspinne3
Mangora acalyphaRadnetzspinne1
Clubiona stagnatilisSackspinne1
Mit elf nachgewiesenen Arten sind es natürlich nicht so viele Arten, wie man im Frühjahr findet, aber für Winter bei Frost ist das Ergebnis gar nicht so schlecht. Zumindest kann ich darüber aufklären, dass mit dem Beginn des Winters, die Spinnen im Freiland nicht verschwinden.

In einem Erlenbruchwäldchen der Schwartauwiesen fand ich weitere Spinnen, die ich hier jetzt nicht aufführen möchte. Die aktuelle Gesamtfundliste des LSG Schwartauwiesen kann man im Atlas der Arachnologischen Gesellschaft einsehen: https://atlas.arages.de/location/14666

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Es gibt bereits einen Nachweis aus Ahrensburg von Nils Reiser (2013, unpubliziert). Der Fundort war aber eher speziell und kann in meinen Augen nicht als Zeugnis allgemeiner Verbreitung angesehen werden. Nils suchte nach Spinnen in Baumärkten, welche ja einem steten Zustrom an Waren unterworfen und somit potentielles Einfallstor für Fremdorganismen sind. Über Warenimport eingeschleppte Arten können hier nicht als etabliert angesehen werden. Er hat einiges an Exoten feststellen können: Nachweise in Ahrensburg, Reiser 2013.

Handfang in Timmendorfer Strand. Fundumstände siehe oben. Die Genitalien der männlichen adulten Kugelspinne bestätigten den habituellen Anfangsverdacht. Ich habe keine Idee, wie diese Art in mein Arbeitszimmer gelangen konnte. Ich habe hier keine Pflanzen, mit welchen die Art eingeschleppt worden sein könnte.

Die derzeit bekannte Verbreitung zeigt, dass das Auftauchen zu erwarten war
Angesichts eines solchen Zufallsfundes, drängt sich einem die Frage auf, was man erführe, wenn man systematischer suchte.

Die Nachweise aus Hamburg und Neubrandenburg stammen ebenfalls von Nils aus Baumärkten. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es den Nachweis eines Jungtiers von einem Gemüsemarkt in Güstrow (2014 – auch hier ist ein Zusammenhang mit Warenimport zu sehen) und für 2022 ein inadultes Exemplar aus einem Zimmer der Naturparkverwaltung in Basedow (Dr. Dieter Martin, pers. Komm.).

Weitere Infos zur genannten Art

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Nachweis per Bodenfalle im Fangzeitraum 02.08–17.08.2022 in den Herrnburger Dünen, Lübeck (NSG Wakenitz).

Habitat: Trockene Binnendüne – Fallen im Vordergrund
Diese Art wird erheblich größer als die bislang für Schleswig-Holstein bekannten Arten von Scheintaranteln der Gattung Alopecosa. Ihr bislang bekannter Verbreitungsraum in Deutschlands liegt ausschließlich im Bereich der ehemaligen DDR von Thüringen bis Mecklenburg-Vorpommern. Vermutlich breitet sich diese warme Offenstandorte liebende Art mit dem Klimawandel weiter aus, wie es auch bei anderen Arten zu beobachten ist.

Anfang September ging ein Weibchen in die Falle. Es hat mit 15,4 mm die bloße Körperlänge einer Hauswinkelspinne und ist damit definitiv die größte Wolfspinnenart, die aktuell in Schleswig-Holstein vorkommt. Weibchen von Alopecosa schmidti /i> können bis zu 18 mm groß werden (Beine zählen nicht mit).

2018 wurde diese Art erstmals in Hamburg nachgewiesen (leg. Nadine Dupérré).

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Feuchtheide im Duvenstedter Brook
Ich habe Fallen zur Erfassung von Spinnen im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook stehen. Kurz vor Fallenwechsel wurde mir bekannt, dass eine mit Fallen bestückte Feuchtwiese gemäht werden sollte (das Bild zeigt eine andere beprobte Fläche). Um eine Zerstörung der Fallen zu verhindern, wurden die Fallen mit dem Zweck diese zu markieren, gesucht.

Die Fallen wurden nicht gefunden, aber statt dessen blühender Teufelsabbiss entdeckt. Diese in Hamburg vom Aussterben bedrohte Pflanze wurde vor vier Jahren hier anzusiedeln versucht. Ihr Nachweis führte dazu, dass die betreffende Feuchtwiese bis zu Ausblüte erstmal gar nicht gemäht wurde.

So werden Arachnologen zu Helfern des Naturschutz. Es lohnt sich eben oft, genauer hinzuschauen. Gerade in so atemberaubenden Gebieten wie dem Duvenstedter Brook.

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